Der Autor und Journalist Olaf Sundermeyer las am gestrigen Abend, 11.01.2010 in der Begegnungsstätte der Duisburg-Marxloher Merkez Moschee aus seinem Buch "Der Pott" - im Anschluss daran folgte eine interessante Podiumsdiskussion rund um das Thema "Integration".
Die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 wurde am Montagabend auch in der Begegnungsstätte der Merkez Moschee in Duisburg Marxloh eröffnet. Aus Berlin war der in Dortmund geborenen Schriftsteller und Berichterstatter Olaf Sundermeyer angereist, um das Kapitel "Marxloh" aus seinem neuesten Buch "Der Pott" vorzulesen. Die Begegnungsstätte war bis auf den letzten Platz gefüllt und Sundermeyer konnte im Publikum viele bekannte Gesichter sehen, hatte er doch eigens in dem Stadtteil gelebt, über den er schreiben wollte. Unter den bekannten Gesichtern waren viele, die sich auch in seinem Buch wiederfinden.
Sympathie, aber nicht ohne die notwendige Distanz
Die Art wie er aus seinem Werk las, zeigte den persönlichen Bezug, ja die Sympathie, die er unzweifelhaft für die dort lebenden Menschen empfindet, sprach er doch den einen oder anderen "Protagonisten" direkt an. Doch dieser Bezug lies dennoch die notwendige Distanz nicht vermissen, derer es Bedarf, um sich dem Thema in einem Stadtteil zu nähern, der sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer Art Enklave entwickelt hat und in dem immer die Gefahr besteht, dass Integration nicht glückt, sondern anstatt dessen eine Parallelgesellschaft entsteht. Von einem Vergleich mit Chinatown war gar die Rede. Seine Betrachtungen begannen bei der Fussballweltmeisterschaft 1990 und reichten bis in die aktuelle Gegenwart, zum Beispiel unter Bezugnahme auf die "Meile" der Hochzeitsgeschäfte auf der Weseler Straße.
Made in Marxloh
Dabei schilderte er die Entwicklungen einzelner Menschen aus Marxloh, beobachtete ihren Werdegang und vergaß nicht bei seinen Schilderungen die eine oder andere ironische Betrachtung einzustreuen. Er lobte Marxloh ausdrücklich für seinen Weg den es begonnen hat und machte dies am Beispiel des Projekts "Made in Marxloh" deutlich, das nicht zuletzt neben wirtschaftlichen Erfolgsabsichten ein neues Selbstbewusstsein und eine eigene Identität zu schaffen versucht. Ob dieser Weg letztlich erfolgreich sein wird, kann man allerdings gegenwärtig noch nicht beurteilen, so der Autor, dieses Urteil wird erst die Zukunft bringen.
Podiumsdiskussion
Nach der Lesung gab es zunächst von einer örtlichen Konditorin eine Saalrunde Schwarzwälder Kirschtorte -natürlich die alkohol- und gelantinefreie Variante-, bevor sich dann eine interessante Podiumsdiskussion anschloss. Bei der zwar leider der streitbare Duisburger Baudezernent Jürgen Dressler krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnte, die aber dennoch lebhaft untereinander als auch mit dem Publikum über das Thema "Integration" diskutierte und nach Lösungsansätzen suchte. Neben dem Autor nahmen Gitti Schwantes, Leyla Özmal, Sümeyra Kaya (Moderatorin des Abends), Dirk Smaczny (in Vertretung für Jürgen Dressler) und Mustafa Tazcoglu teil. Einig war man sich darin, dass der Dialog, das Gespräch miteinander eine wichtige Voraussetzung für Integration ist und auch, wenn es sicherlich keine Patentrezepte gibt, so könne es dennoch gelingen, einen Weg zu finden.
Persönliche Bemerkung:
Ich, der Autor dieses Artikels, bin fest davon überzeugt, eine Metropole wie das Ruhrgebiet hat gute Chancen, die Integration letztlich zu schaffen, denn vergessen wir nicht, gerade hier, wo seit den Zeiten der Industrialisierung Menschen aus insgesamt 171 Ländern zugezogen sind, um ihren Lebensmittelpunkt zu finden, in diesem großen Schmelztigel ist in den letzten Jahrzehnten vieles möglich gewesen. Sicher, der Weg ist weit und strapaziös, aber er kann und muss gegangen werden. Die Atmosphäre in der DITIB Begegnungsstätte von gestern Abend zumindest gibt Anlass zu ein klein wenig Optimismus!



