Das ist eine Ausstellung im Museum Küppersmühle, MKM im Duisburger Innenhafen von dem in Düsseldorf, Hayama und New York lebenden Künstler und Weltbürger Abraham David Christian, die bereits nach der heutigen Pressevorbesichtigung nicht nur uneingeschränkt zu empfehlen ist, nein, die man unbedingt gesehen haben muss!
Um einen ersten Eindruck zu vermitteln, und ein wenig "Appetit" zu machen, haben wir einen kleinen Videorundgang durch das MkM am heutigen Tag gemacht und diesen an diesen ersten Bericht angehängt.
Am morgigen Donnerstag, 10.06.2010 wird es die offizielle Eröffnung vor geladenen Gästen geben, bevor dann ab dem 11.06.2010 das Publikum herzlich willkommen ist. Natürlich werden wir weiter berichten, aber nun erst einmal das Wichtigste über den Künstler, sein bisheriges Lebenswerk und die Ausstellung in einem Text der MKM Pressesprecherin Tina Franke:
ABRAHAM DAVID CHRISTIAN
THE WAY 道 DER WEG
Laufzeit: 11. Juni – 29. August 2010
Eröffnung: 10. Juni 2010, 19.00 Uhr durch Bazon Brock u.a.
Vom 11. Juni bis zum 29. August 2010 präsentiert das Museum Küppersmühle eine umfangreiche Werkschau von Abraham David Christian (*1952), die der Künstler intensiv mitgestaltet hat. Rund 50 Exponate geben Einblick in das Werk des zweifachen documenta-Teilnehmers und zeichnen aktuelle Entwicklungen nach. Erstmalig in seinem Werk hat der Künstler für die Ausstellung eine Gruppe von Monumentalplastiken geschaffen, die im MKM Ausstellungs-Premiere haben: die sieben „Türme der Weisheit“.
Konzept
Die symbolträchtige Zahl Sieben, die in unterschiedlichen Weltreligionen vielerlei Deutungen erfahren hat, prägt sowohl eine Reihe von Christians Werken als auch das gesamte Ausstellungskonzept. Der Betrachter folgt dem ‚Weg’ des Künstlers durch sieben Räume mit Skulpturen aus Bronze, Gips und Papier sowie Zeichnungen. Diesem Parcours entsprechen sieben Autorenbeiträge im Katalog (von Bazon Brock bis Raimund Stecker).
Künstler
Abraham David Christian ist mit einem bedeutenden Sammlungsraum im Museum Küppersmühle und mit zahlreichen Werken in der Sammlung Ströher vertreten. Der Künstler, der in Düsseldorf, New York und Hayama/Japan lebt und dort Werkstätten unterhält, setzt sich auf weltweiten Exkursionen mit den Traditionen Asiens, Afrikas, Europas und Amerikas auseinander. Sein Werk wird aus den Erfahrungen vieler Reisen und Aufenthalte auf mehreren Kontinenten sowie der damit verbundenen tiefen Kenntnis fremder Kulturen und deren Ausdrucksformen bestimmt. Die Arbeiten Abraham David Christians zeugen von der intensiven Beschäftigung mit dem kulturübergreifenden menschlichen Formenschatz und bewegen sich auf der Grenze zwischen Minimalismus und Sinnlichkeit, Zerbrechlichkeit und Wucht. Sie rufen, so der Kunstkritiker Richard Milazzo, den Geist der Renaissance-Kunst ebenso wach wie den der abstrakten Kunst der Avantgarde im 20. Jh. (etwa Brancusi, Giacometti oder David Smith), wecken aber auch die Erinnerung an Kunst aus Japan oder Indien.
Titel der Ausstellung
Abraham David Christian verwendet im Titel der Ausstellung auch das japanische Schriftzeichen für Weg: 道. Das Zeichen besteht aus zwei Teilen und könnte vielleicht so erklärt werden: Wir sehen einen Fuß, das Symbol des Schreitens, und einen darauf gesetzten Hirschkopf mit Geweih. Der Hirsch muss sein Geweih erst ganz abstoßen, bevor ihm ein neues Geweih mit mehr Enden wächst. Diesem Bild entsprechend beschreibt Abraham David Christian seine Arbeitsweise: Er muss als Künstler immer wieder von vorne beginnen, sich neu einlassen, sich neu erfinden, neu schöpfen - der Weg ist das Ziel.
Die Ausstellung: Sieben Räume
‚Der Weg’ durch die Ausstellung im Museum Küppersmühle zieht sich durch sieben Räume, die jeweils einer eigenen Konzeption folgen, und die partiell durch zusätzliche Werke bzw. Werkgruppen ergänzt werden. Einigen Räumen wird eine einleitende Skulptur vorangestellt, die man als ‚Wächter’ bezeichnen könnte und die auf den jeweiligen Raum einstimmt.
In Raum 1, dem sogenannten „Hannover Raum“, gestaltet Kunsthistoriker Dieter Ronte eine Präsentation, die an einen Museums-Raum der 90er Jahre aus dem Sprengel Museum, Hannover angelehnt ist. Gezeigt werden eine Gips-Skulptur, mit der Abraham David Christian auf der documenta Vll (1982) vertreten war, sowie eine Papierskulptur.
Raum 2 ist das Herzstück der Ausstellung. Das MKM zeigt erstmalig die neue Werkgruppe monumentaler Bronze-Skulpturen: ‚Hayama_7 : Türme der Weisheit'. Die Arbeiten sind ein Novum im Werk des Künstlers, der hier zum ersten Mal ins große Format geht. Die Gipsmodelle für diese Skulpturen sind in Hayama, Japan entstanden und befinden sich heute in der Sammlung des National Museum of Modern Art in Tokyo. Hayama ist auch der Sommersitz der japanischen Kaiserfamilie. In dieser kleinen Stadt unterhält der Künstler seit einem viertel Jahrhundert eine Werkstatt.
Raum 3 ist der vier Tonnen schweren Bronze ‚Interconnected Sculpture’ vorbehalten. In der scheinbar einfachen Spiral-Form stecken, auf Grund der hohen technischen Komplexität, über drei Jahre Arbeit (2006/2009). In dieser Skulptur wird die Arbeitsweise des Künstlers sichtbar: "Was der Mensch erträumen kann, kann er auch umsetzen.“ Um neue Erfahrungswerte für die Produktion der Skulptur zu gewinnen, hat Abraham David Christian u.a. mit Bau- und Flugzeugingenieuren zusammengearbeitet.
Im Raum 4 sind zwei Skulpturen und eine Gruppe von acht großen Zeichnungen aus dem Jahr 2008/2009 zu sehen. Sie tragen den Titel ‚Hayama no Sensei', was sowohl als ‚Lehrer aus Hayama' als auch ‚Hayama als Lehrer' übersetzt werden kann. Christians Zeichnungen sind keine vorbereitenden Studien. Sie stehen eigenständig neben den Skulpturen und setzen sich mit elementaren Fragen und Formen auseinander.
Raum 5 ist als ‚Nachdenkraum im Nachdenkraum’ (der Ausstellung als Ganzes) konzipiert und zeigt die sieben Bronzeskulpturen ‚Torri del Silenzio' (Türme des Schweigens). Das Schweigen ist von existentieller Bedeutung für Christians Werk, der – ausgehend von Wittgensteins Formulierung ("Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen") – sagt: „Schweigen ist nicht nur Nicht-Reden, sondern die Stille muss unser Mensch-Sein ganz durchdringen. Wenn die Stille das Innerste des Menschen erreicht, öffnet sich dem Menschen das bislang Verborgene.“
Raum 6 ist mit einer Skulpturengruppe dem Thema ‚Balance / Mitte finden’, gewidmet, während in Raum 7 die Wandarbeit ‚Sieben Tafeln’ aus Bronze, eine Papierskulptur und die fünfteilige Gruppe von Zeichnungen ‚Das Gesetz' aus dem Jahr 1985 gezeigt werden.
Entstehung der Werke
Die Werke Christians entstehen in tiefer Meditation. Eine Idee erscheint und „fließt aus mir heraus, vergleichbar mit einer Geburt. Der Wachstumsprozess des Werks ist nicht bestimmbar, er liegt in der Natur“, so der Künstler über das Entstehen seiner Skulpturen. Ohne Vorzeichnung gibt er diesen Visionen eine plastische Form. Skulpturen aus Erde, Gips oder Papier entstehen und werden vielfach auch in Bronze gegossen. Dabei ist Christian nach eigener Aussage nicht am ‚Entstehungsmythos’ interessiert und greift in den handwerklichen Prozess des Bronzegusses nur selten ein.
Biografie
1952 geboren - 1972 Teilnahme an der documenta 5 - 1978 Villa-Romana-Preis - 1982 Teilnahme an der documenta 7 - lebt und arbeitet in Düsseldorf, New York und Hayama, Japan. Lehrtätigkeit u.a. an der Keio University, Tokyo, Japan; Universität Yamaguchi, Japan; National Art University Hangzhou, China; Seoul National University, Korea; Kunstakademie Düsseldorf; Hochschule für Gestaltung (HfG) Pforzheim.
Organisation / Sponsoring / Katalog
Die Ausstellung im MKM wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des Bankhauses Sal. Oppenheim. Für die Organisation ist die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn verantwortlich. Es erscheint ein begleitender Katalog im Kerber Verlag mit Texten von Bazon Brock, Stefan Kraus, Richard Milazzo, Tsutomu Mizusawa, Walter Smerling, Raimund Stecker und einem Gespräch von Peter Iden mit dem Künstler. Neben der Ausstellung ist Abraham David Christian mit einem Sammlungsraum im MKM vertreten, in dem weitere Zeichnungen und kleinformatige Skulpturen aus Papier zu sehen sind.
...wird fortgesetzt...



