Bereits einige Tage nach der schrecklichen Katastrophe trafen sich die Hafenmeister, ein lockerer Zusammenschluss der Duisburger Kreativszene, um sich Gedanken über Möglichkeiten der Hilfe zu machen. Wir veröffentlichen heute an dieser Stelle die Quintessenz des Treffens, formuliert von Frank Tentler:
Wir sprechen den Hinterbliebenen, den verletzten und traumatisierten Opfern der Loveparade unser tiefes Mitgefühl aus.
Wir trauern um die Toten und hoffen, dass die Verletzten bald genesen und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.
Wir erleben aber auch eine ganz andere Seite der Katastrophe, die für uns als Duisburger Kreative, als Web-, Design-, Media- und Kommunikations-Profis ungewohnt und erschreckend ist. Trifft man Duisburger BürgerInnen auf der Strasse oder im Web, trifft man auf geschockte Menschen, die weder das Unglück, noch die medialen Reaktionen darauf verstehen oder gar verarbeiten können. Sie schämen sich oft für das Geschehene und haben das Gefühl, dass sie alleine gelassen werden.
In den Gesprächen der letzten Tage stellte ich fest, dass es auch vielen KollegInnen so ergeht, aber viele von uns sind beruflich die Auswüchse der Medien und Überreaktionen der Social Networks gewohnt. So bleibt zwar bei uns das Entsetzen über das Unglück, aber der Schock weicht professionellen Reflexen und dem Wunsch, zu helfen. Das wollen wir nun tun.
Wie können Duisburger Kreative helfen?
Im Web trifft Duisburg (und damit meine ich nicht die Verwaltung, sondern die Stadt als Lebensraum) von Seiten vieler Medien und Web-Nutzern auf unverständlichen Hass und längst überholte Vorurteile. Gerade dort bündelt sich die Wut in einer noch nie dagewesenen und völlig unverständlichen Ablehnung gegen die Stadt und ihre BürgerInnen.
Ich denke darüber nach, wie ein verantwortungsbewusstes Vorgehen aussehen könnte, um diese Ausbrüche abzufangen und aufzuarbeiten. Da zu meinem Tätigkeitsfeld auch die Beratung bei einem Kommunikations-GAU von Unternehmen im Web gehört, kann ich mir vorstellen, dass wir uns mit Psychologen, Social-Web- und Kommunikations-Experten zusammen setzen und in der kommenden Woche für Duisburg eine eigenständige Hilfsaktion aufbauen. Diese würde das Ziel haben, dass wir zum einen den BürgerInnen eine digitale Anlaufstelle für Ihre Emotionen bieten, zum anderen den haltlosen und beleidigenden Ausbrüchen in Medien und Social Networks mit Offenheit und Fakten entgegen treten und ein menschliches Gesicht entgegen setzen können. Wie wir als Experten wissen, kann das im Social Web aber nur durch Offenheit, Anteilnahme und Wahrheit aus der persönlichen Betroffenheit heraus geschehen. Das wird die Grundlage unserer Initiative sein. Anders kann es nicht funktionieren, anders würde man sich nur der Methoden der sensationslüsternen Unglücksprofiteuren bedienen.
Dies würde eine Initiative und ein Hilfsangebot der Duisburger Kreativszene werden und ich hoffen, dass wir dadurch unseren Teil für die BürgerInnen, aber auch für den Respekt gegenüber den Familien und Freunden der Opfer und der Verletzten geben können.
Welche Maßnahmen könnten hilfreich sein?
Information Aufbau einer Informationsseite, die einen Überblick über aktuellen und möglichst objektive journalistische Beiträge, ohne Sensationsgier und unerträgliches Bildmaterial gibt. Meine Idee wäre eine Art Vorschlagssystem für gelesene Beiträge, z. B. per Mail oder Twitter, die dann auf der Website veröffentlicht würden. Diese Informationen könnten auch den Duisburger BürgerInnen zur Verfügung stehen, um unsachlichen Äusserungen Argumente entgegen zu setzen.
Kommunikation Kommunikationsexperten versuchen als Mediatoren wieder eine sachliche und hilfreiche Interaktion zu fördern, die weder Opfer, noch schockierte Duisburger BürgerInnen beleidigt. Sollte der Wunsch von Seiten der Stadtverwaltung bestehen, sich direkt über technische Kommunikationswege, wie Liveblog oder Livestream einer Diskussion zu stellen, können wir die technischen Grundlagen zur Verfügung stellen.
Aufarbeitung Erlebnisberichte von Augenzeugen und die Reaktionen der Duisburger BürgerInnen können Online dokumentiert werden. Hierbei wäre sicherlich die Hilfe durch Interventionsexperten sinnvoll. Daraus liesse sich eine öffentliche Trauerwand erstellen, die den medialen Exzessen persönliche Wahrheiten gegenüber stellt.
Hilfe Hilfsangebote können auf einer Website gesammelt und abrufbar dargestellt werden.
Wir haben in Duisburg Erfahrung im Umgang mit Web 2.0 und Social Web. Lasst sie uns nutzen um den Opfern und den BürgerInnen bei der Bewältigung des Unglücks zu helfen.
Wir schlagen vor, dass wir an dieser Stelle weitere Ideen und Hilfsangebote sammeln. Die Hafenmeister als Sammelbecken der Kreativszene sollten sich dann umgehend damit auseinandersetzen und Umsetzungsvorschläge formulieren.
Über weitere Vorschläge und Ergänzungen würden wir uns freuen.
Wir haben nur eine Bitte:
Wir wollen nicht mehr diskutieren, sondern handeln!
Bitte nutzt diesen Beitrag nicht dazu, über Schuld und Verantwortung zu diskutieren oder genau die Beiträge, Bilder und Videos zu verlinken, die nicht dem Respekt gegenüber den Opfern gerecht werden.
Wir wollen wirklich helfen und unser Wissen und unsere Erfahrung dafür einbringen.
Nehmt unsere Bemühungen bitte ernst und helft, wenn ihr könnt.
Vorschläge gerne an redaktion@duisburgfans.de




Klaus Lohmann
22.08.2010 03:26Könnte mir mal Jemand Links nennen, wo im Web "unverständlicher Hass und Ablehnung" "gegen die Stadt als Lebensraum und ihre BürgerInnen" geäußert wird?
Ich habe die mir noch unverständliche Ahnung, dass von den Autoren dieser Site da etwas Grundsätzliches gefährlich verwechselt wird.
Auf diesen Kommentar AntwortenKlaus Lohmann
25.08.2010 04:25Typisch. Web 2.0 predigen und wenn dann mal kritisch gefragt wird, den Ar... zusammenkneifen. Generation Warmduscher. Danke, braucht Keiner, Herr Frank'mFischer...
Jürgen M. Beith
04.08.2010 17:55Guten abend und ein aufmunterndes Hallo nach Duisburg.
Vielleicht wäre auch zu überlegen, ob man den Angehörigen/Hinterbliebenen einen eigenen passwortgeschützten Forumsbereich anbietet, den sie, wenn gewünscht, gemeinsam zur Trauerarbeit nutzen könnten.
Wie sieht es eventuell mit finanziellen Nöten in den betroffenen Familien durch die Beerdigungskosten aus?
Mit freundlichen Grüßen aus Waiblingen/Stuttgart,
Jürgen M. Beith
Präsident Thalassämiehilfe ohne Grenzen e.V.
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