Rundgang durch die Walter Stöhrer Ausstellung im Museum Küppersmühle Duisburg
Am heutigen Mittwoch, 15.09.2010 wurde im Museum Küppersmühle, MKM im Innenhafen Duisburg die neue Ausstellung: Walter Stöhrer - Kraftfelder feierlich eröffnet. Dabei handelt es sich um eine Ausstellung der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn. Neben dem Direktor des Museums Küppersmühle Walter Smerling sprachen Klaus Engel vom Vorstand der Evonik Industries AG, die Kuratorin der Ausstellung Eva Müller Remmert und der Ministerpräsident des Landes Schleswig Holstein Peter Harry Carstensen ein paar einführende Worte. Für die Öffentlichkeit wird die Ausstellung dann vom 16.09. - 05.12.2010 im MKM Duisburg zu sehen sein. Als kleinen Appetizer haben wir bereits heute einen kleinen Videorundgang durch die Walter Stöhrer Ausstellung gemacht, den Sie im Folgenden sehen können, ebenso wie zahlreiche Fotografien der Arbeiten.
Gespräch mit Walter Smerling, dem Direktor des MKM
Wir hatten am heutigen Mittwoch, 15.09.2010 Gelegenheit mit dem Direktor des Museums Küppersmühle, MKM, Walter Smerling über die neue Ausstellung "Kraftfelder" zu unterhalten, die insgesamt 70 Werke des Künstlers Walter Stöhrer präsentiert. Eine Ausstellung die nicht nur in ihrer Art einzigartig ist, sondern die man darüber hinaus auf jeden Fall gesehen haben muss. Hören Sie dazu Walter Smerling in einem kurzen Videointerview.
Laufzeit: 16.09. – 05.12.2010
Eröffnung: Mittwoch, 15.09.2010, 20.00 Uhr
durch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen
Kuratorin: Eva Müller-Remmert
Walter Stöhrer (1937-2000) gehört zu den rebellischen Einzelgängern in der deutschen
Kunst. Als ein Hauptvertreter der gestisch-figurativen Malerei hat er die nationale Kunstszene nachhaltig geprägt. Im Jahr der Kulturhauptstadt RUHR.2010, in das zugleich der 10. Todestag des Künstlers fällt, ehrt das MKM den Maler mit der ersten umfassenden
Werkschau im Ruhrgebiet. Beginnend mit den frühen Gemälden der 1960er Jahre werden auf 1.000 qm Ausstellungsfläche Werke aus allen wichtigen Schaffensphasen bis hin zum letzten Bild präsentiert.
Rund 70 Gemälde sowie Übermalungen auf Papier, Radierungen, Zeichnungen und Tuschen sind im MKM zu sehen. Das älteste Bild datiert von 1960/62, das jüngste Gemälde hat Stöhrer 1999 vollendet. Es handelt sich um das letzte Bild, an dem der Künstler kurz vor seinem Tod noch gemalt hat. Der Besucher erlebt einen Gang durch vier Jahrzehnte drängenden Schaffens, wobei die lockere Chronologie Raum für spannende Werk-Kombinationen gibt. Ergänzt werden die Bilder durch eine Dokumentation von Skizzen, Briefen und Künstler-Heften Stöhrers, die seine schöpferischen Arbeitsprozesse vermitteln. Das Werk Walter Stöhrers ist singulär. Gleichwohl hat der Künstler neben seinem Studienkollegen Horst Antes und seinem Lehrer HAP Grieshaber als Protagonist der neuen Karlsruher Figuration die deutsche Kunstgeschichte entscheidend mitgestaltet. Charakteristisch ist das farbintensive, freie Zusammenspiel von Malerei, Schrift und Zeichnung mit figurativen und expressivgestischen Ausdrucksmitteln. „Das Entscheidende war sein unheimlicher Elan und sein Drang, sich ausdrücken zu wollen. Seine Malerei war manchmal eine richtig barbarische Tat“, sagt Günther Wirth, der Stöhrers Werk über Jahrzehnte als Freund, Kurator und Kunstkritiker begleitet hat (ausführliches Interview im Katalog). Eine besondere Bedeutung für die Werke Stöhrers hat die Literatur. Häufig zitiert er auf den Leinwänden und in seinen Bildtiteln Text- und Gedichtfragmente. Dabei setzt er Schrift nicht nur als Gestaltungselement ein, sondern die Bilder entstehen aus seiner assoziativen Auseinandersetzung mit der Literatur.
Der Fokus der Ausstellung im MKM liegt auf Stöhrers Gemälden, daneben sind aber auch wichtige Radierungen, Tuschen und Übermalungen auf Papier zu sehen. Aus seinem umfangreichen druckgraphischen Werkkonvolut wird u.a. der 14-teilige Zyklus „Horror trip“ vorgestellt.
Ein zentraler Raum der Ausstellung zeigt die monumentale 4-teilige Arbeit „Schlachtet den Vater" von 1969. In einer fünfstündigen öffentlichen Malaktion hatte Walter Stöhrer damals im Württembergischen Kunstverein Stuttgart vier großformatige Zeichnungen (je 220 x 630 cm) seines Professors HAP Grieshaber übermalt, der seinen ehemals besten Studenten selbst dazu eingeladen hatte. Das Ergebnis ist – insbesondere vor dem Hintergrund der zeitgleichen Radikalität eines Joseph Beuys – ein eindrucksvolles Zeugnis der Auseinandersetzung mit Lehrer, Tradition und Vorbild, das zugleich Stöhrers Kreativität und Gestaltungswillen dokumentiert.
„Walter Stöhrers Bilder“, so Eva Müller-Remmert, die Kuratorin der Ausstellung, „sind dynamische Kraftfelder innerbildlicher Aktionen und Reaktionen, Beziehungen und Spannungen. Sie versinnbildlichen Werden und Vergehen, den steten Wandel unseres Daseins.“ Interessant ist auch die Verbindung zur Sammlung des Hauses: Mit zwei Gouachen von Walter Stöhrer haben Sylvia und Ulrich Ströher Ende der 1980er Jahre den Grundstein ihrer heute im MKM präsentierten Sammlung gelegt.
Wir freuen uns ganz besonders, dass der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen, die Ausstellung im MKM am 15. September um 20 Uhr eröffnen wird. In Scholderup in Schleswig-Holstein hat Walter Stöhrer sein letztes großes Atelier eingerichtet.
Dort hat er seit seiner Berufung im Jahr 1986 zum Professor für Malerei an die Berliner Hochschule der Künste in den Sommermonaten gelebt und gearbeitet und dort ist er im Frühjahr
2000 gestorben. Heute befindet sich in Scholderup die Walter Stöhrer-Stiftung, mit der diese Ausstellung in enger Zusammenarbeit entstanden ist. Für die Organisation der Ausstellung ist die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn verantwortlich. Es erscheint ein begleitender Katalog im Verlag Brinkmann & Bose mit Texten von Eva Müller-Remmert, Claudia Posca, Karsten Müller und einem Gespräch von Walter Smerling mit
Günther Wirth.
BIOGRAFIE
1937 in Stuttgart geboren
1952-1954 Lehre als Gebrauchsgrafiker in Karlsruhe
1956-1959 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe bei HAP Grieshaber; enge Kontakte u.a.
zu Hans Baschang, Horst Antes, Dieter Krieg und Heinz Schanz
1960 Erste Werkstatt in Berlin gemeinsam mit dem Bildhauer Rolf Szymanski
1962 Materialstipendium von Karl Ströher; Deutscher Kunstpreis der Jugend der Stadt
Stuttgart gemeinsam mit Raimund Girke
1964 Verleihung des Kritikerpreises durch den Verband der deutschen Kritiker e.V., Berlin;
Kontakt zu Arnulf Rainer und Markus Lüpertz
1966 Hochzeit mit Anna Margarete von Waechter
1969 Erste öffentliche Malaktion im Württembergischen Kunstverein Stuttgart: „Schlachtet
den Vater“ auf Einladung seines Lehrers HAP Grieshaber
1971 Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste, Berlin
1972 Scheidung von Anna Margarete
1973 Studienaufenthalt mit einem Stipendium für die Cité Internationale des Arts, Paris
1976 Kunstpreis der Akademie der Künste, Berlin in der Sparte Malerei
1978 Villa Romana-Preis mit anschließendem mehrmonatigem Aufenthalt in Florenz;
Kunstpreis der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen
1980 Arbeitsaufenthalt in der Villa Romana in Florenz; zusammen mit dem Berliner Maler
Martin Rosz erhält Stöhrer den Kunstpreis der Böttcherstraße Bremen
1981-1982 Gastprofessur an der Hochschule der Künste, Berlin
1982 Kunstpreis der Stadt Nordhorn
1984 Wahl zum Mitglied in der Akademie der Künste Berlin
seit 1986 Professur an der Hochschule der Künste Berlin; lebt und arbeitet in den Sommermonaten
in einem ehemaligen Landgasthof in Scholderup (Schleswig -Holstein)
1995 Hans-Molfenter-Preis der Stadt Stuttgart
1999 Jerg-Ratgeb-Preis der HAP Grieshaber Stiftung Reutlingen; Hochzeit mit der langjährigen
Lebensgefährtin Hanne Forstbauer; Diagnose eines unheilbaren Bronchialtumors;
Gründung der gemeinnützigen treuhänderischen Walter Stöhrer-Stiftung
Scholderup
2000 Kunstpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft durch die Dr. Dietrich Schulz-
Kunststiftung für sein Lebenswerk; Tod am 10. April in Scholderup
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
1980 Stuttgart, Württembergischer Kunstverein (gemeinsam mit Anselm Kiefer, Katalog)
1983 Ulm, Ulmer Museum; Bremen, Kunsthalle Bremen (Katalog); Braunschweig, Kunstverein
Braunschweig
1984 Paris (F), Galerie Adrien Maeght (Katalog); Düsseldorf, Kunstmuseum Düsseldorf
(Katalog); Saarbrücken, Moderne Galerie des Saarland-Museums
1985 New York (USA), Galerie Lefebre (Katalog)
1989 Berlin, Berlinische Galerie im Martin-Gropius-Bau (Katalog)
1990 Kiel, Kunsthalle zu Kiel und Schleswig-Holsteinischer Kunstverein (Katalog)
1994 Bremen, Kunstverein Bremen in der Kunsthalle Bremen
1995 Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Katalog); Stuttgart, Galerie der Stadt
Stuttgart (Katalog)
1997 Reutlingen, Städtisches Museum Spendhaus (Katalog)
1998 Hannover, Kunstverein Hannover (Katalog); Schleswig, Schleswig-Holsteinisches
Landesmuseum, Schloß Gottorf (Katalog)
1999 Reutlingen, Städt. Kunstmuseum, Spendhaus (zum Jerg-Ratgeb-Preis, Katalog)
2000 Schleswig, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloß Gottorf (Katalog);
Tønder (DK), Sønderjyllands Kunstmuseum (Katalog)
2001 Rostock, Kunsthalle Rostock
2002 Bielefeld, Bielefelder Kunstverein, Museum Waldhof (Katalog)
2005 Stuttgart, Staatsgalerie Stuttgart (Katalog)
2006 Hannover, Sprengel Museum
2007 Ulm, Ulmer Museum (Katalog)
2008 Bremen, Kunsthalle Bremen



