Nach dem Ende einer Saison im Fußball der Gegenwart fühlt sich der Fan stets zurückgeworfen auf das Grundvertrauen in die sportliche Leitung seines Vereins. Das ist eine Prüfung. Auch wenn es angesichts von Nervosität auf Fanseite anders aussieht, wird hier nicht der Fan in Sachen Gelassenheit geprüft, sondern der Sportdirektor im Hinblick auf seine bis dahin geleistete Arbeit. Denn je unruhiger der Fan Spekulationen der Presse über mögliche Spielerwechsel in alle Richtungen wahrnimmt, desto weniger Vertrauen hat sich die sportliche Leitung bis dahin erarbeitet.
Einem Fan bleibt aber nichts anderes als dieses Grundvertrauen, um abzuschätzen, in welche Richtung sich sein Verein entwickeln wird. Werden Spieler gehalten oder gar verpflichtet, mit denen die erhofften sportlichen Ziele erreicht werden können? Auf Worte darf man in dieser Branche nichts mehr geben, auf Verträge nur unwesentlich mehr. Zumindest wenn es um den Durchschnittsberufsfußballer ohne überragendes Spielvermögen geht. Zu viele Einflussgrößen lassen einen solchen Mann zum Spielball aller möglichen Mächte werden. So ein Spieler kann sich nicht entscheiden, es gefällt mir hier oder dort zu spielen.
Über die Zukunft des Abwehrspielers Markus Brzenska etwa, Arbeitnehmer beim BVB Borussia Dortmund, verhandeln die Sportdirektoren Michael Zorc und Bruno Hübner, als ob Brzenskas Meinung nicht das entscheidende Kriterium ist. Brzenska sagt, er wolle beim MSV Duisburg bleiben, wohin er eine Saison lang ausgeliehen war. Weil ich zu diesem sehr oberflächlichen Teil des Geschehens nur noch weiß, es gibt unterschiedliche Vorstellungen über die Ablösesumme und nun in den Medien erfahre, die Verhandlungen seien gescheitert, bleibt mir nur das Grundvertrauen, Bruno Hübner habe das Richtige getan. Um das Geschehen zu bewerten, fehlen mir nicht nur entscheidende Informationen, darüber hinaus kann ich die Stellungnahmen aller Beteiligten in der Öffentlichkeit nicht als Wahrheit lesen. Solche Stellungnahmen sind Teil des Verhandlungsspiels und dem kann sich Markus Brzenska nicht entziehen, selbst wenn er es ehrlich gemeint hat. Ich brauche also Grundvertrauen in das Wirken der sportlichen Leitung, weil ich eine wohl begründete Meinung zum aktuellen Geschehen gar nicht besitzen kann. Ich brauche Grundvertrauen in die Arbeit des Sportdirektors meines Vereins. Die Führungsebene des MSV Duisburg hat mir allerdings in den letzten Jahren nur wenig geholfen, dieses Grundvertrauen in den Sportdirektor zu festigen. Deshalb fühle ich mich zugleich hilflos, wenn ich auf die Verpflichtungserfolge von Bruno Hübner hoffe. Was anderes bleibt aber nicht. Ein blödes Gefühl.

MSV Mannschaft | Foto: Gabriele Petrick
Hilfloses Hoffen
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