Eltern kennen das. Lehrer kennen das. Außenminister kennen das auch, und Trainer einer Fußballmannschaft natürlich. Mancheiner denkt an Erziehung, andere an die Durchsetzung von Interessen. Immer geht es aber um Konsequenz und um den Einfluss des Handelns auf die Art der sozialen Beziehung. Denn nichts bestärkt jemanden so sehr in seinem, nennen wir es mal ganz allgemein unerwünschten Handeln, wie eine Drohung, die ohne Folgen bleibt. Wenn also ein unerwünschtes Handeln eingetreten ist, muss sich derjenige, nämlich in dem Fall der MSV, der entgegen eines ausgesprochenen Ultimatums „Ben-Hatira eine letzte Schonfrist“ gibt, sehr viel einfallen lassen, wie er unbeschädigt aus der Geschichte herauskommt. Das kann gelingen. Doch es gelingt nicht ohne viele Worte und vor allem nicht ohne eine Art Friedensangebot von der anderen Seite.
Liest und hört man die Kommentare der Fans, haben sie ein untrügliches Gespür dafür, was auf dem Spiel steht. Da geht es um die Autorität von Peter Neururer, und da geht es um die Stimmung in der Mannschaft. Es geht um den Zusammenhalt einer Gruppe von Menschen mit sehr unterschiedlichen Interessen. Es geht um die Einheit des Kaders. Änis Ben-Hatira spielt nicht so gut, als dass das Bemühen um seine Weiterverpflichtung den Prozess des weiteren Zusammenwachsens dieses Kaders gefährden dürfte. Das hat auch mit Selbstachtung zu tun. Wie sehr erachtet es die sportliche Führung für notwendig einen Spieler wie Änis Ben-Hatira zu verpflichten? Diese Frage steht im Raum. Das Bemühen um Ben-Hatira nehmen seine Kollegen wahr und das wirkt auf ihr Selbstbild zurück. Sie setzen ihre eigene Spielstärke in Bezug zu diesen Bemühungen. In der letzten Saison gab es keinen Spieler beim MSV Duisburg, dessen spielerische Fähigkeiten als Einzelspieler die Mannschaft auf ein anderes Niveau gehoben hätte. Zu diesem Zeitpunkt der Saisonvorbereitung muss das Hauptaugenmerk auf das Wachsen von Einheit gelegt werden. Das Training des Fußballs ist dazu Mittel zum Zweck. Die Einheit entsteht indem die Spieler feststellen, hier herrschen klare, nachvollziehbare Regeln und hier gibt es eine gerechte Wahrnehmung der erbrachten Leistung mit der entsprechenden Wertschätzung. Dieser Prozess wird gefährdet durch die allerletzten Chance, die jemanden gewährt wird, der gut Fußball spielt, aber nicht so gut, dass ihm die Kollegen alles nachsehen werden.

Foto: Gabriele Petrick
Spielt Ben-Hatira gut genug für eine allerletzte Chance?
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