Mit 7:0 (3:0) fertigt der Double Gewinner den deutschen Vizemeister ab und schießt die Bayerinnen endgültig in die Mittelklassigkeit
Kathrin Längert, die Torhüterin des FC Bayern München hatte 7 Jahre lang beim FCR 01 Duisburg gespielt und war erst im vergangenen Sommer zu den Bayern nach München gewechselt. Heute hatte sie ihren ersten Auftritt mit der Mannschaft des deutschen Vizemeisters der vergangenen Spielzeit bei ihrem Ex-Club und bekam von ihren ehemaligen Mannschaftskolleginnen direkt 7 Tore mit auf den Heimweg. So hatte sie sich das Wiedersehen sicherlich nicht vorgestellt und es lag auch absolut nicht an ihr, das die Niederlage so extrem hoch ausfiel, denn auch wenn die Tordifferenz so krass war, Kathrin Längert hat ein gutes Spiel gemacht und vielleicht - nein ganz bestimmt - sogar Schlimmeres verhindert. Sie war ständig präsent, versuchte mit lautstarken Kommandos von hinten zu dirigieren und entschärfte so manche Situation des Spiels.
Bei München Behringer dabei und Duisburg ohne Popp, aber ansonsten in Bestbesetzung
Als die Münchenerinnen so gegen 12:30 Uhr im PCC Stadion in Duisburg Homberg eintrafen, herrschte bei den Spielerinnen und dem Trainer Günther Wörle noch so etwas wie verhaltener Optimismus, auch wenn von ihnen im Vorfeld die Duisburgerinnen als die großen Favoritinnen bezeichnet worden waren. Beim Warmmachen stand dann auch schon fest: Europameisterin Melanie Behringer, hinter deren Einsatz noch ein Fragezeichen gestanden hatte, wird spielen können. Also, alles schien gut. Doch dann konnte man den Duisburger Spielerinnen, die mit Ausnahme der verletzten Alexandra Popp in Bestbesetzung antreten konnten, bereits beim Warmmachen ansehen: heute geht da was, heute soll unter anderem eine Antwort auf die unnötige 1:2 Heimniederlage, die gleichzeitig die letzte Pflichtspielniederlage für den FCR 01 Duisburg vor 8 Monaten bedeutet hatte, gegeben werden. Die Mannschaft von Cheftrainerin Martina Voss-Tecklenburg wirkte hochkonzentriert und genauso hoch motiviert bereits während der Übungen vor dem Spiel. Hier war auch schon ein eindeutiger Unterschied auszumachen zu den Aufwärmübungen von vor 14 Tagen gegen den 1.FC Saarbrücken, die relativ lustlos wirkten. Dann begann die Partie.
Duisburg total überlegen
Von Beginn an übten die Duisburger Löwinnen einen enormen Druck auf die Spielerinnen aus der bayerischen Landeshauptstadt aus. Die 1053 Zuschauer im PCC Stadion kamen trotz Dauerregens voll auf ihre Kosten. Bereits in der 15. Spielminute eröffnete Marina Hegering den Torreigen, als sie nach Vorarbeit der erneut überzeugenden Luisa Wensing aus 15 Metern einschoss und Kathrin Längert zu ersten Mal an diesem Nachmittag überwand. In der 16. Minute gelang dann Inka Grings ihr 17. Treffer in der laufenden Spielzeit. Femke Maes bereitete vor, Grings scheiterte zunächst an Längert, konnte dann aber den abgewehrten Ball per Kopf verwandeln. Der FCR war von nun an in allen Belangen deutlich überlegen und lies den Münchenerinnen keine Chance auch nur im Ansatz ihr Spiel zu entwickeln. Folgerichtig gelang es dann, der erneut sehr stark aufspielenden Simone Laudehr in der 38. Minute der Partie nach Zuspiel durch Marina Hegering den Ball mit einem sehenswerten Schuss in der linken oberen Ecke des Münchener Tores unterzubringen. Mit 3:0 ging es also in die Pause.
In der 2. Halbzeit wurde erst richtig aufgedreht
In den meisten Fällen wäre es nun üblich gewesen, bei einem so großen und beruhigenden Vorsprung, das Spiel zu kontrollieren und mit dem Ergebnis über die Zeit zu bringen. Nicht so aber bei den Spielerinnen des Duisburger Vorzeigevereins. Denn jetzt wurde erst so richtig aufgedreht und teilweise Frauenfussball der Extraklasse präsentiert. In der 54. Spielminute bediente die sehr spielfreudige Marina Hegering die Nummer 6 Jennifer Oster und diese erzielte den Treffer zum 4:0. Zehn Minuten später in der 64. war es dann erneut Simone Laudehr,die aus etwa 10 Metern Entfernung zum 5:0 erhöhte. Das Tor war sehenswert, aber noch viel sehenswerter war die Vorbereitung zu diesem Treffer, einer Zusammenarbeit von Femke Maes, Linda Bresonik und Inka Grings. Doch der Torhunger der Duisburger Löwinnen war weiterhin ungestillt und so setzten sie ihre Angriffsbemühungen nahezu ununterbrochen fort. Zwar konnte kein weiteres Tor mehr direkt aus dem Spiel heraus erzielt werden, aber auch nur deshalb, weil die inzwischen völlig überforderten Münchenerinnen "gezwungen" waren die brenzligsten Situationen mit Hilfe von Foulspiels zu entschärfen. Zunächst wurde die eingewechselte Eunice Beckmann im Strafraum von den Beinen geholt und dem fälligen Elfmeterpfiff folgte in der 85. Spielminute Saisontreffer Nummer 18 durch Inka Grings, die dann nur 3 Minuten später selbst im Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht wurde. Nun war es an Linda Bresonik, den Endstand herzustellen und das gelang ihr durch einen absolut gekonnt und sicher verwandelten Elfmeter in der 88. Minute zum 7:0. Nach dem Abpfiff feierten die Zuschauer ihren FCR, der durch den Kantersieg gegen München im Torverhältnis zum aktuellen Tabellenführer der Frauenfussball Bundesliga, Turbine Potsdam aufholen konnte und zumindest für eine Nacht wieder die Tabellenführung im Oberhaus des deutschen Frauenfussballs übernimmt.
Martina Voss-Tecklenburg rundum zufrieden mit der Leistung
In der anschließenden Pressekonferenz traf man auf einen völlig konsternierten Bayern-Trainer Günther Wörle, der den Duisburgerinnen zum Sieg gratulierte und ihre Überlegenheit ohne Umschweife einräumte. Das Spiel seiner Mannschaft bezeichnete er als miserabel und sagte, sein Team sei der 3fachen Belastung in Champions League, DFB Pokal und Meisterschaft nicht gewachsen gewesen und jetzt richtig "platt". Nun, die ersten beiden Probleme hat er nach dem Ausscheiden aus beiden Wettbewerben innerhalb von nur vier Tagen ja nun nicht mehr und der Meisterschaftszug dürfte spätestens nach dem heutigen Ergebnis auch endglültig für die Münchenerinnen abgefahren sein. Ganz im Gegenteil bei den Duisburger Löwinnen. Martina Voss Tecklenburg, Duisburgs Cheftrainerin strahlte bei der Pressekonferenz und zollte ihrer Mannschaft uneingeschränktes Lob, vor allem weil diese es endlich einmal verstanden hatte, die Forderung der Trainerin komplett in die Tat umzusetzen und ein Spiel von der ersten bis zur letzten Minute voll konzentriert durchzuspielen und die Chancen effektiv zu nutzen. "Wir waren von Anfang an heiß auf den Sieg. Mich freut besonders, dass die Mannschaft auch nach der klaren Führung mit dem Spielen nicht aufgehört hat; wir haben aus dem enttäuschenden Remis gegen Saarbrücken gelernt, sogar noch etwas für unser Torverhältnis getan und können ein positives Fazit nach der Halbserie ziehen.", so Voss-Tecklenburg, die noch zwei schwere Wochen vor sich und dem Team weiß, mit dem Spiel gegen den Hamburger SV in der Bundesliga am kommenden Sonntag 13.12.2009 im PCC Stadion und dem DFB Pokal Viertelfinalspiel am 20.12.2009 beim 1. FC Köln. Danach -und an einem Erfolg in den beiden noch ausstehenden Begegnungen zweifelt niemand- können alle erst mal in Ruhe Weihnachten feiern und den längst überfälligen Erholungsurlaub über die Feiertage nehmen.



