Den ganz großen Wurf hat die von Ausfällen geplagte Mannschaft des MSV Duisburg nun doch nicht hinbekommen. Nach der 2:0-Heimniederlage gegen Alemannia Aachen muss das kurzfristige Projekt „Erreichen des dritten Tabellenplatzes“ auf die mittlere Frist der Rückrunde verschoben werden. Diese Niederlage stand allenfalls in den fünfzehn Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit in Frage. Schon der Elfmeter für den MSV Duisburg in der 64. Minute kam nicht mehr als zwangsläufige Folge eines ununterbrochenen Drängens auf den Ausgleich. Schon dieser Elfmeter wurde zu einem Zeitpunkt verhängt, als die Energie des Sich-Gegen-die-Niederlage-Stemmens zu verpuffen drohte. Der Elfmeter war die große Chance auf ein Tor der eigentlich unterlegenen Mannschaft. So passte es zum Spielverlauf, dass Christian Tiffert den Elfmeter verschoss und dieses Mal nicht wie im Spiel gegen den FC Augsburg eine Chance zum Nachschuss erhielt. Danach war deutlich bemerkbar, die Mannschaft zweifelte zu sehr an ihren spielerischen Möglichkeiten, als dass sie das Verpassen dieser großen Chance problemlos hätte wegstecken können.
Für mich war vor dem Spiel die entscheidende Frage, ob Chavdar Yankov den wegen Grippe ausfallenden Ivica Grlic würde ersetzen können. Er konnte es nicht. Er konnte es aber auch deshalb nicht, weil die schon aus Paderborn und Karlsruhe bekannten mäßigen zwanzig Anfangsminuten der gesamten Mannschaft dieses Mal auf 45 Minuten verlängert waren. Die Aachener taten von Anfang an mehr für das Spiel. Sie waren sowohl entschlossener und gedankenschneller in der Bewegung zum Ball hin. Sie konnten die Zweikämpfe in entscheidenden Momenten für sich entscheiden, außerdem wirkten sie mannschaftlich geschlossener. Angriffe wurden im schnellen Kurzpassspiel vorgetragen, während sich die Ball führenden Spieler beim MSV entweder in der Aachener Deckung festrannten oder den langen, hohen Ball auf den für solche Anspiele viel zu kleinen Nicky Adler versuchten.
Die Einzelkritik erübrigt sich angesichts der miserablen Mannschaftsleistung. Alleine Tom Starke konnte sich durch einige gute Reflexe auszeichnen und Christian Tiffert zeigte trotz des verschossenen Elfmeters die bekannte antreibende und ansprechende Leistung auf dem Feld. Halt, auch Caiuby enttäuschte mich dieses Mal nicht, weil ich ihn endlich dabei erlebte, wie er seine phlegmatische Ausstrahlung ablegte. Sein Einsatz war also da, spielerisch konnte er allerdings angesichts des Leistungsniveaus seiner Mannschaftskollegen nicht allzu viel falsch machen.
Tiago fällt mir auch noch ein, dem mal gesagt werden sollte, das Spiel geht immer weiter, wenn der Schiedsrichter nicht pfeift. Da stellt man nicht das Spielen ein und beschwert sich, während der Gegner den Konter einleitet. So ein mäkelndes Reklamieren stärkt den Gegner, selbst wenn in dem betreffenden Moment aus der sich ergebenden Chance kein Tor erzielt wird. Aber zu stärkerer psychischer Überlegenheit des Gegners trägt Tiago auf diese Weise mit Sicherheit bei. Wenn ich jemanden derart resignativ über den Schiedsrichter hadern sehe, triumphiere ich innerlich, weil ich die Aufmerksamkeit dieses hadernden Spielers für geraume Zeit zumindest in Teilen nicht beim Spiel weiß. Da gab sich Tiago unnötigerweise Blößen, weil er mit seinem eigenen Spiel wahrscheinlich nicht zufrieden war.
Außerdem frage ich mich, was diese Mannschaft immer wieder daran hindert ein schnelles Kurzpassspiel über die Flügel aufzunehmen. Als Standardvariante des Angriffs treibt der Ball führende Spieler den Ball über die Außenbahn bis in die Mitte der gegnerischen Hälfte, um von dort in die Mitte zu ziehen. Ein steiles Zuspiel über die Außenbahn bis auf Höhe der Strafraumgrenze kennt das Angriffsspiel des MSV Duisburg zurzeit kaum. Weil in der Mitte kein Kopfballspieler wartet? Dennoch verbreiteten sowohl in diesem Spiel als auch im Spiel gegen Paderborn solche Spielzüge die meiste Gefahr. Ich möchte ja lernen und wissen, warum das nicht öfter versucht wird. Vielleicht gibt es ja triftige Gründe. Sei es, dass das Vertrauen in die Durchsetzungsfähigkeit der Spieler fehlt, die auf der Außenbahn auf ein Zuspiel lauern. Keine Ahnung. Es fällt mir jedenfalls auf.
Nun lassen die Ergebnisse der Spiele aller oben platzierten Vereine an diesem Spieltag uns noch ein wenig beruhigter in die kurze Winterpause gehen. Alles ist weiterhin drin. Wir hoffen also auf wenigstens einen weiteren gesunden Stürmer für das nächste Jahr. Wenn sich dann noch zwei, drei andere Rekonvaleszenten als wieder spielfähig erweisen, sehe ich der Rückrunde voller Zuversicht entgegen. Zumal es derart kalt wie am Freitagabend mit großer Wahrscheinlichkeit nicht noch einmal werden wird.



