Das Gedächtnis ist eine wunderbare Sache. Verläuft das Leben einigermaßen normal, rücken die unangenehmen Erfahrungen der Vergangenheit ins aushaltbare Halbdunkel. Gut ausgeleuchtet bleibt nur all das, was mit guten Gefühlen verbunden war. Erst bei erneuter Begegnung mit solch einer unangenehmen Erfahrung, ist es so, als schalte jemand mal eben das Licht an in diesem Halbdunkel.
Nicht nur eine 7-Watt-Sparbirne leuchtete in der ersten Halbzeit beim Heimspiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Union Berlin recht früh schon auf. Nach und nach wurden eine Menge Lampen und Scheinwerfer herbeigeholt, damit ich mir Enttäuschung und Unzufriedenheit der vergangenen Jahre in jedem Detail mal wieder etwas näher ansehen konnte. Sechs bis sieben Minuten lang schien es nach Anpfiff so, als könne die Mannschaft des MSV Duisburg jeden Zweifel beseitigen, wer dieses Spiel gewinnen wird. In diesen sechs bis sieben Minuten strahlte die Mannschaft Entschlossenheit und Aggressivität aus. In diesen sechs bis sieben Minuten gab es einen von Julian Koch schnell vorgetragenen Angriff. Nach seinem Pass in den Strafraum kam Srdjan Baljak aber nur zu einem wenig gefährlichen Schuss. Im Rückblick war dieser Schuss von Srdjan Baljak ein erstes Zeichen für die beginnende Unsicherheit im Spiel nach vorne. Denn obwohl der Lauf von Julian Koch zunächst auf Gefahr für das Tor von Union hoffen ließ, wirkte der Angriff im Strafraum selbst harmloser.
Der MSV Duisburg musste gegen eine tief stehende Berliner Mannschaft spielen, die nicht einmal sehr interessiert am Konterspiel war. Wenn sich so viele Spieler in einer Hälfte aufhalten, braucht die angreifende Mannschaft eine große Ballsicherheit, damit die Verteidiger nicht jeden Angriff zerstören können. Diese Ballsicherheit gab es beim MSV Duisburg am Samstagmittag nicht. Beim Spiel über die Mitte versprangen Srdjan Baljak und Stefan Maierhofer die Bälle. Die von Stefan Maierhofer abgelegten Bälle kamen oft zu kurz oder zu lang. Das Spiel über die Flügel war mangels Platz so gut wie nicht vorhanden. Der 1. FC Union Berlin wartete ab, was dem MSV Duisburg einfiel. Doch die spielerische Qualität reichte an diesem Tag nicht aus, um in den Strafraum von Union zu gelangen. Die Spieler wirkten immer unsicherer und hilfloser.
Man kann das Spiel auch von der Psychologie her deuten. Die Mannschaft des MSV Duisburg spielt immer dann gut, wenn ihr kämpferischer Einsatz vom Gegner angenommen wird. Der 1. FC Union Berlin ließ diesen kämpferischen Einsatz in die Leere laufen. Diesen kämpferischen Einsatz hatte es nämlich in diesen ersten Spielminuten sehr wohl gegeben. Die Mannschaft des MSV Duisburg kam aber in die Verlegenheit aus ruhigen Spielsituationen ihre Angriffe zu entwickeln. In dieser Ruhe schien es oft so, als hätten die Spieler zu viel Zeit, Entscheidungen zu treffen. Im letzten Moment wurde der schon im Ansatz zu sehende Pass doch nicht gespielt. Als Konsequenz sahen wir verhungernde Pässe oder verzogene Schüsse. Die Alternative zum Fehlpass war der hohe Ball auf Stefan Maierhofer. Wir kennen das aus anderen Spielen dieser Saison. Wenn die Mannschaft sich keine andere Möglichkeit erspielt als die hohen Bälle auf Stefan Maierhofer, ist der Erfolg ein reines Glücksspiel. Gewonnen hat der MSV Duisburg nur dann, wenn die Mannschaft variabel gespielt hat. Ein Tor wie das vom 1. FC Union Berlin kann immer fallen. Da rutscht in der Mitte Bruno Soares aus, und die Berliner kommen zu einem Schuss, der normalerweise abgeblockt worden wäre. Es entsteht ein Durcheinander und irgendjemand stochert oder köpft in diesem Fall den Ball rein. Entscheidend war die Körpersprache der Mannschaft des MSV Duisburg nach diesem Tor. Da drückte sich zu viel Enttäuschung aus und zu wenig Selbstsicherheit. Die Hilflosigkeit bei den Angriffen des MSV Duisburg hatte sich als Grundgefühl in den Köpfen der Spieler anscheinend schon ausgebreitet.
In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel des MSV Duisburg etwas besser. Manches Zusammenspiel klappte nun, doch gefahrvoll in die Nähe des Strafraums kam die Mannschaft immer noch kaum. Was blieb war die Ehrenecke in der 90. Minute. Mehr braucht man eigentlich nicht über das Spiel zu wissen, um zu verstehen, warum der MSV Duisburg nicht gewonnen hat.
Die Spieler wissen, dass sie schlecht gespielt haben. Das lag meiner Meinung nach aber nicht am Einsatz. Wenn Milan Sasic in der ersten Halbzeit „Leidenschaft, Herzblut und Begeisterung“ vermisst hat, so greift das als Grund für die Niederlage zu kurz. Dieser Mangel war nur das Symptom der Hilflosigkeit. Diese Hilflosigkeit ergab sich für mich vor allem aus der schlechten Tagesform einzelner Spieler. Es fehlte der Spieler im Angriff, der den Ball auf engem Raum behauptet. Wir werden nun bei unserem Hoffen auf das Unaussprechliche warten müssen, wie stabil der VfL Bochum, die SpVgg Greuther Fürth und der FC Augsburg die Saison weiterspielen.
Weitere Infos unter: zebrastreifenblog.wordpress.com



