Den Alltag im Leben einigermaßen gut hinzubekommen und dabei zufrieden zu sein, kostet sehr viel Energie, die wir meist überhaupt nicht wahrnehmen. Die Kraft für die besondere Leistung an einem Tag ist dagegen leicht erkennbar. Diese Kraft aufzubringen ist eine Leichtigkeit. Im gestrigen Spiel vom MSV Duisburg gegen Arminia Bielefeld wurde schnell deutlich, für die Zufriedenheit im Alltag gab es nicht genügend Kraft, um genau diesen Alltag zu bewältigen.
Eine schlechte erste Halbzeit vom MSV Duisburg sahen wir. Sie schloss sich nahtlos an den jüngsten Liga-Alltag an. Die Mannschaft wirkte ideenlos im Spiel nach vorne und leistete sich immer wieder Flüchtigkeitsfehler. Hinzu kamen in diesem Spiel in der Defensive auf den Außenbahnen von Olivier Veigneau und Benjamin Kern immer wieder kleinere Stellungsfehler, die allerdings schnell wieder bereinigt werden konnten. Arminia Bielefeld wirkte wie Rot-Weiß Oberhausen und Union Berlin in der Offensive schwach, dennoch ließen sie den Ball hin und wieder ansehnlich in den eigenen Reihen wandern, um vor dem Strafraum völlig zu versagen. Einen Konter mit einem Tor abzuschließen gelang ihnen dann aber doch, und so führte die Arminia zur Halbzeit 1:0.
Nach der Halbzeitpause war offensichtlich, der MSV wollte das Spiel drehen und gewinnen. Der Druck auf die Defensive der Arminia nahm zu und allmählich keimte in mir der Gedanken, dass der Ausgleich fallen könnte. Doch nachdem Srdjan Baljak genau das tat, was ich erhofft hatte, gelang es dem MSV Duisburg nicht, diesen gewachsenen Druck zu halten. Hohe, lange Bälle flogen nach vorne und es schien Zufall zu sein, ob sie jemanden erreichten und ob dieser Spieler dann auch noch den Ball für einen Moment wenigstens kontrollieren könnte. Ist so ein Spiel nur in meinen interessierten Laienaugen kein kontrolliertes Spiel und für den professionellen Fußballer schon? Ich weiß es nicht. Zwei, drei Chancen hat sich der MSV Duisburg ja dennoch erspielt.
Seit dem Auswärtspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen blitzt für mich eine Frage immer wieder auf. Warum ist das Offensivspiel des MSV Duisburg so unflexibel und einfallslos geworden? Ich will das verstehen, um die Arbeit von Trainern und Fußballprofis besser zu verstehen. Da spielte der MSV gegen drei Mannschaften, die den Raum sehr eng gemacht haben und deren Angriffsbemühungen nicht sehr gefährlich wirkten. Dennoch konnten diese Mannschaften hin und wieder den Ball schnell und direkt in den eigenen Reihen nach vorne bringen. Kann der MSV so ein schnelles, direktes Spiel nun nicht zeigen, weil es vom Trainer als taktische Maßgabe nicht gewünscht wird? Kann die Mannschaft es nicht zeigen, weil der Gegner es nicht zulässt? Gibt es so etwas wie eine psychische Verfasstheit, die es schwer macht, einen einmal eingeschlagenen Weg zu verlassen? Damit meine ich, ist Stefan Maierhofer zu dominant geworden als Persönlichkeit und als mögliche Anspielstation in der Offensive? Fehlt im Mittelfeld ein Spieler, der andere Spieloptionen erkennt? Oder soll dieses andauernde und nahezu immer scheiternde hoch und lang, erst die Möglichkeiten für die Direktpassmomente im Spiel eröffnen? Lässt der Kader nach dem Ausfall von Ivo Grlic und Julian Koch keine andere taktische Alternative zu?
Ich frage mich das alles, weil es so offensichtlich ist, dass die hohen, weiten Bälle von der Mannschaft des MSV Duisburg kaum unter Kontrolle gebracht werden. Sie waren in den letzten drei Liga-Spielen für den Gegner immer leicht zu verteidigen. Gefährlich wurde es für den Gegner nur dann, wenn direkt und schnell wurde. Der Ausgleich gegen Arminia Bielefeld fiel als Abfolge schneller Einwurf, schnelles steiles Zuspiel, scharfe Flanke, Baljak steht frei vor dem Tor. Goran Sukalo hatte seine zwei großen Chancen nach schnellen Spiel. Gelingt dieses schnelle Spiel nicht wegen fehlender Aggressivität in der Defensive?
Natürlich hatte Bielefeld in der zweiten Halbzeit Glück bei den zwei großen Chancen von Goran Sukalo. Sein Kopfball an den Pfosten schien mir dabei die klarere Chance. Bei der zweiten Möglichkeit bekam er den Ball von Stefan Maierhofer etwas in den Rücken gespielt, und ich teile Goran Sukalos Meinung nicht, dass er diese Chance hätte verwerten müssen. In so einem Moment führt ihn sein Körper an Grenzen. Wenn er aus so einer Chance ein Tor machen könnte, spielte er nicht beim MSV Duisburg. Natürlich musste es dann auch noch ganz dumm kommen, und die Arminia erzielte nach einem Konter das Siegtor.
Für mich war diese Niederlage nicht enttäuschender als ein Unentschieden mit der letztlich einfallslosen Spielweise in der Offensive. Die Mannschaft hat sich in der Hinrunde viel Nachsicht bei uns Zuschauern erspielt. Diese heute vorhandene Nachsicht ergab sich aus dem schön anzusehenden Fußballspiel der Mannschaft. Ich wünsche mir sehr, dass in den ausbleibenden Liga-Spielen vor dem Pokalfinale die Mannschaft so auftritt, dass wir diese Spielweise wieder klarer vor Augen haben.
Das Unaussprechliche können wir nun auch wieder beim Namen nennen. Es läuft alles nach Plan, an Aufstieg sollte frühestens in der nächsten Spielzeit gedacht werden. Das können wir nach der Niederlage gegen den DSC Arminia Bielefeld tun. Ich werde mir natürlich alten Gepflogenheiten gemäß wider besseren Wissens noch manchmal eine kleine Hoffnung erlauben und bei Gelegenheit die Wirklichkeit per Tabellenrechner zurechtrücken.
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