Am Samstag nach der Auswärtsniederlage gegen die SpVgg Greuther Fürth hätte ich nicht allzu viel zu schreiben gewusst. Die Niederlage war verdient, weil der Mannschaft des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit zu wenig im Spiel nach vorne gelang. Dabei hatten sie die zehnminütige Drangperiode der Fürther nach dem Wiederanpfiff schadlos überstanden. Erst als auch das Angriffsspiel der Fürther allmählich ratlos wirkte, gelang den Fürthern der eine Pass auf den freien Mann, der in den Strafraum dringen konnte und dort zu Fall gebracht wurde. Beim Strafstoß hatte David Yelldell keine Chance. Wenn etwas beim MSV Duisburg nicht durchweg gelingt so ist es das kontrollierte Angriffsspiel. So etwa hätte ich am Samstag geschrieben.
Doch schon am nächsten Tag veränderte eine Meldung vom MSV Duisburg alles. Denn nicht die Niederlage ist die entscheidende Nachricht vom Spieltag, sondern das Ausmaß der Verletzung von Stefan Maierhofer. Er war nach einem weiten Ball in den Strafraum mit dem Fürther Torwart und einem Verteidiger zusammengeprallt. Das hatte gar nicht sehr gefährlich ausgesehen. Er konnte dennoch nicht mehr auftreten und musste ausgewechselt werden. Eine schwerere Prellung vermutete ich und dachte, eine kürzere Pause von ein oder zwei Spieltagen sei für Stefan Maierhofer wieder gar nicht schlecht. Nun hat er einen Mittelfußbruch erlitten, und die Saison ist für ihn beendet. Rumms! Keine Teilnahme am DFB-Pokalfinale von Stefan Maierhofer; keine sich rundende Saison mit einem gut vorbereiteten Abschied, da er den Verein nach einem Jahr Ausleihe wahrscheinlich wieder verlässt.
Mich erinnert die Rückrunde dieser Saison beim MSV Duisburg allmählich an die misslungene Dramaturgie von amerikanischen Kriegsfilmen, wo die Gefahr der Mission auch stets Opfer im Team verlangt. Im MSV-Drehbuch für den Blockbuster „Mission Cup“ hat leider jemand übersehen, dass durch den Verlust von mehr als einer tragenden Figur des Teams der Film nicht unbedingt tragischer wird. Wer die großen Namen zu früh rausschreibt, riskiert das Scheitern des Films. Gelingt der Film allerdings dennoch, und zwar mit einem Happy-End, wird er ein Jahrhundertwerk. Da müssten sich dann Nebenfiguren zu Helden entwickeln. Sie müssten etwas tun, was bis dahin von ihnen noch nie gesehen war. Dazu braucht es sehr gute Drehbuchautoren, da sie auf kurzer Strecke diese Nebenfiguren mit Glaubwürdigkeit versehen müssen.
Machen wir uns nichts vor. Bislang war der Sieg in Berlin gegen den FC Schalke 04 durchaus möglich, wenn es auch ein sehr schwieriges Unterfangen geworden wäre. Nun, da der MSV Duisburg ohne Stefan Maierhofer antreten wird, muss ich meine Fantasie verdammt anstrengen, um mir einen Spielverlauf vorzustellen, der mich hoffen lässt. Ich habe diese Fantasie, keine Frage. Doch noch hindert der Schock durch die Verletzung Stefan Maierhofers diese Fantasie. Das braucht noch ein paar Tage, ehe ich diese Egal-dann-eben-ohne-ihn-Zuversicht in Gänze besitze.
Zu deutlich wurde auch im Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth, dass der Spielaufbau beim MSV Duisburg nicht immer sehr variabel ist. Und selbst wenn er variabel ist, zielt er darauf ab, in der Mitte der gegnerischen Hälfte einen Spieler stehen zu haben, der den Ball für einen Moment sichert und schnell wieder abspielt. Das war Stefan Maierhofer. Die Mannschaft muss sich umstellen. Wir haben Spiele in dieser Saison schon ohne Stefan Maierhofer gesehen. Auch in diesen Spielen wurden Bälle hoch abgespielt und von den Verteidigern des Gegners jeweils problemlos erobert. Die spielerischen Möglichkeiten von Stefan Maierhofer sind beschränkt, diese beschränkten Möglichkeiten waren aber im Spiel des MSV Duisburg mindestens ebenso wichtig wie die das Spiel öffnenden Läufe von Julian Koch.
Sechs Spieltage bleiben Milan Sasic, um eine veränderte Spielweise unter Wettbewerbsbedingungen einspielen zu lassen. Es gibt nun auf jeden Fall keine Zwischenzeit mehr als ein Warten auf das einzig noch vorhandene Ziel der Saison, das DFB-Pokalfinale. Nun gibt es nur noch die Vorbereitungszeit. Ich spüre die Hoffnung wieder kommen.
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